Sind Ihre Stromkosten auch zu hoch?

Strom und Gas wird teurer

Stromkraftwerk am Rhein
Stromerzeuger am Rhein © Verena N._pixelio.de

Gestiegene Strompreise bringen Energielieferanten in Schieflage.

Die Energie-Experten der Managementberatung Horváth & Partners rechnen mit weiteren Pleiten im Strommarkt. Die Entwicklung der vergangenen Monate wird sich voraussichtlich fortsetzen. In jüngster Zeit mussten etwa die Billiganbieter BEV und DEG Deutsche Energie Insolvenz anmelden. Ursache für die Pleiten sind vor allem die gestiegenen Großhandelspreise für Strom und Gas. Einige Anbieter waren darauf nicht vorbereitet, sondern gingen von stabilen oder fallenden Preisen für die Energiebeschaffung aus. Andreas Schwenzer, Energieexperte bei der Managementberatung Horváth & Partners, rechnet in diesem Jahr mit einer zweistelligen Anzahl von Firmenpleiten im Energiemarkt.

Im Laufe des Jahres 2018 sind die Börsenpreise für Strom massiv angestiegen. Da die meisten Stromlieferanten mit ihren Kunden für die Vertragslaufzeit Festpreise vereinbaren, können sie die gestiegenen Beschaffungskosten nicht weitergeben. Solange die Preise stabil blieben, konnten Anbieter von den niedrigen Beschaffungskosten profitieren. Da viele Firmen Strom und Gas nicht im Voraus kaufen, wurden die steigenden Energiepreise für sie zum Problem. Drehen sie an der Preisschraube, verlieren sie Kunden. Schließlich haben Verbraucher in diesem Fall ein Sonderkündigungsrecht.

„Es gibt immer mehr wechselwillige Verbraucher“, sagt Schwenzer. „Sie nutzen das System aus und wechseln jedes Jahr in einen neuen günstigen Tarif.“ Für die sogenannten Energie-Discounter, die mit besonders günstigen Tarifen für das erste Jahr und Wechselboni am Markt auftreten, kann das ruinös werden. Schließlich bauen sie darauf, dass viele Kunden schlicht vergessen zu kündigen oder zu träge sind zu wechseln und dann im Folgejahr höhere Preise zahlen. Dieses Kalkül geht nicht mehr auf. Bei den Neukunden-Tarifen zahlen die Anbieter häufig aber drauf. „Das Geschäftsmodell der Billiganbieter funktioniert nicht mehr“, sagt Schwenzer.

Pleitewelle ebbt Ende des Jahres ab

Von der jüngsten Pleite der BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft aus München Ende Januar waren rund 500.000 Kunden betroffen. Die Insolvenz der DEG Deutsche Energie mit Sitz in Baden-Württemberg Ende 2018 traf unter anderem auch Großkunden wie den Deutschen Bundestag, das Land Brandenburg und die Elbphilharmonie. Im Laufe des vergangenen Jahres mussten zudem die Deutsche Erdgas Versorgungs-GmbH, die Energieagenten Versorgungs GmbH und e:veen Energie abgewickelt werden.

Energieexperte Schwenzer sieht in den aktuellen Pleiten ein „reinigendes Gewitter“. Noch ist es nicht abgezogen: „In diesem Jahr dürfte es weitere Unternehmen in einer etwa zweistelligen Größenordnung treffen. Bis Ende des Jahres dürfte die Pleitewelle dann abebben.“ Die Unternehmen hätten verstanden, dass sie Strom nicht zu lange im Voraus zum Festpreis günstig verkaufen dürfen, ohne sich bei der Beschaffung abzusichern. „Seriöse Anbieter wirtschaften vernünftiger. Die Firmen, die dieses Jahr durchstehen, dürften solide aufgestellt sein“, sagt Schwenzer.

Stromanbieter richtig wechseln

Für den Wechsel des Stromanbieters in einen neuen Stromtarif können Sie den Stromrechner nutzen. Dazu reicht es aus, Ihren Jahresstromverbrauch und die Postleitzahl einzugeben. Sie erhalten dann eine Vorschlagsliste, aus der Sie Ihren neuen Stromanbieter auswählen können. Den Jahresverbrauch finden Sie auf der letzten Jahresabrechnung Ihres alten Stromanbieters.

Vorsicht vor Lockangeboten

Verbrauchern rät Schwenzer, nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch auf das Unternehmen. „Mit den Insolvenzen zeigt sich einmal mehr, dass es auch schwarze Schafe am Markt gibt, um die Kunden besser einen Bogen machen sollten.“ Wichtigste Regel: Verbraucher sollten nicht in Vorkasse gehen und stets Acht darauf geben, keine überhöhten Abschläge zu zahlen. Denn dass im Fall einer Insolvenz bereits geleistete Zahlungen rückerstattet werden, ist recht unwahrscheinlich. Auf Vergleichsportalen wie Verivox und Check24 stehen Informationen zu den Firmen zur Verfügung. „Im Zweifel lieber auf 0,1 Cent Preisvorteil verzichten und dafür zu einem seriösen Anbieter gehen“, so Schwenzers Ratschlag.

 

pts

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