Wie Frauen die Welt veränderten!

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Geschichten von vier starken weiblichen Persönlichkeiten aus dem 19. Jahrhundert.

Wie Frauen die Welt veränderten! Anlässlich des Weltfrauentages begeben wir uns auf die Spuren von vier deutschen Frauen, die durch ihr Wirken die Frauenbewegung angetrieben haben. Zahlreiche Dokumente, die auf der Ancestry-Plattform zu finden sind, zeichnen verschiedene Stationen aus dem Leben der Frauen nach.

Die vier Heldinnen der Frauenbewegung Fanny Lewald, Louise Aston, Clara Zetkin und Alice Salomon kamen alle im 19. Jahrhundert zur Welt, gehörten aber dennoch verschiedenen Generationen an und hatten unterschiedliche Vorstellungen. Doch waren sie alle Frauen mit Pioniergeist und haben viel zum heute gültigen Bild der emanzipierten Frau beigetragen – wenn auch in ganz verschiedenen Bereichen.

Fanny Lewald (1811-1889) – Schreibende Vorkämpferin für Frauenrechte

Die Schriftstellerin Fanny Lewald war das älteste Kind des jüdischen Kaufmanns David Marcus und seiner Frau Zipora. Aus Angst vor Restriktionen änderte die in Königsberg ansässige Familie ihren Namen in Lewald und erlaubte den Kindern den Übertritt zum protestantischen Glauben – so wurde Fanny im Alter von 18 Jahren getauft, wie Ancestry-Aufzeichnungen zeigen. Das Mädchen galt als begabt, doch blieb Frauen ein Besuch der Universität noch lange verwehrt. Ihre ersten Romane „Clementine“ und „Jenny“ erschienen 1843 noch anonym.

Bereits 1837 widersetzte sich Fanny erfolgreich einer von den Eltern arrangierten Versorgungsehe und der Kampf gegen die damals übliche Zwangsverheiratung wurde neben der sozialen Frage zu einem Thema, das sie ihr ganzes Leben beschäftigen sollte. Sie war viel auf Reisen und lernte im Jahr 1845 oder 1846 ihren Partner Dr. Adolph Stahr kennen. Im Jahr 1855 heirateten sie in Berlin [2].

Am 5. Juni 1889 starb Fanny Lewald in Dresden, ihr Mann bereits 13 Jahre früher in Wiesbaden. Sie wurde auf dem Alten Friedhof in Wiesbaden an der Seite ihres Mannes beerdigt. In Dresden erinnert heute die Fanny-Lewald-Straße an sie. Auch in Hamburg, Wolfsburg und Rheine wurden Straßen nach ihr benannt.

Louise Aston (1814-1871) – Extravaganz mit einem Hang zu Skandalen

Noch turbulenter verlief das Leben von Louise Aston, die durch ihr extravagantes Verhalten – Louise pflegte Männerkleidung zu tragen und rauchte auf der Straße – für Aufsehen sorgte. Sie kam am 26. November 1814 als Tochter des Theologen Johann Gottfried Hoche und dessen Ehefrau Louise Charlotte im Börde-Kreis zur Welt. Sie wurde 1835 in jungen Jahren mit dem deutlich älteren aus Wales stammenden Fabrikanten Samuel Aston verheiratet, wie das Heiratsregister in der Ancestry-Datenbank zeigt. Im Jahr 1839 ließen sie sich jedoch scheiden, um im September 1841 in Berlin erneut zu heirateten. Drei Jahre später trennten sie sich jedoch endgültig. Kurz vor der zweiten Eheschließung wurde die zweite Tochter Jenny Louise Hoche geboren. Die gleichnamige älteste Tochter kam während der ersten Ehe zur Welt, verstarb aber im Sommer 1841 in jungen Jahren.

Im Jahr 1850 heiratete sie in Braunschweig ihren zweiten Mann Daniel Eduard Meier, ein Arzt mit radikaldemokratischer Gesinnung. In dieser Zeit veröffentlichte sie neben dem Roman „Lydia“ auch einige Ausgaben der Zeitschrift „Der Freischärler“ und gründete den „Club Emanzipierter Frauen“. Das öffentlich zur Schau getragene emanzipierte Verhalten brachte dem Paar immer wieder Schwierigkeiten ein. Sie wurden von der Staatsmacht kritisch beäugt und mehrfach des Wohnorts verwiesen, so dass sie lange Zeit im Exil (Krim, Russisches Kaiserreich, Ungarn und Österreich) lebten. Kurz nach der Rückkehr nach Deutschland starb Aston mit 57 Jahren in Wangen im Allgäu. Am 15. Juni 2019 gründeten Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Wiesbaden die Louise-Aston-Gesellschaft, die sich für Freiheit und Demokratie einsetzt.

Clara Zetkin (1857-1933) – Die rote Revolutionärin

Auch wenn sie 1929 im Deutschen Reichs-Adressbuch harmlos als „Schriftstellerin“ geführt wird: Clara Zetkin wurde ihr politischer Werdegang in die Wiege gelegt. Sie kam am 5. Juli 1857 im ländlichen Sachsen als Tochter des Tagelöhners und Dorfschullehrers Gottfried Eißner zur Welt. Ihre Mutter war in der frühen Frauenbewegung engagiert und deren französischer Vater bereits durch die Revolution von 1789 geprägt.

Aufgrund der Sozialistengesetze ging die gelernte Volksschullehrerin Clara Eißner 1882 nach Paris, lernte dort den aus Odessa stammenden russischen Revolutionär und Sozialisten Ossip Zetkin kennen, nahm dessen Namen an und gebar zwei Söhne. In ihrer Pariser Zeit war Zetkin wesentlich an der Gründung der Sozialistischen Internationale im Jahr 1889 beteiligt und schrieb den programmatischen Satz: „Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeiter in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen“.

Wieder zurück in Deutschland heiratete Clara nach dem Tod von Ossip 1899 den deutlich jüngeren Kunstmaler Friedrich Zundel. Mit ihm blieb sie bis 1927 zusammen. Im Streit um die Vorherrschaft in der deutschen sozialistisch-kommunistischen Bewegung schlug sich Zetkin auf die Seite der KPD, für die sie von 1920 bis 1933 als Abgeordnete im Reichstag saß (Wahlkreis Sillenbuch, heute ein Stadtbezirk von Stuttgart). Im Jahr 1932 war sie Alterspräsidentin des Reichstags. Nach Hitlers Machtergreifung war sie gezwungen, erneut ins Exil zu gehen. Es zog sie in die Nähe von Moskau, wo sie am 20. Juni 1933 starb.

Clara Zetkin spielte bei der Einführung des Weltfrauentages eine entscheidende Rolle. Die deutsche sozialistische Politikerin und Frauenrechtlerin machte am 27. August 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen erstmals den Vorschlag für einen solchen Tag, der im darauffolgenden Jahr in Deutschland eingeführt wurde.

Alice Salomon (1872-1948) – Wegbereiterin der Sozialberufsausbildung

Die Sozialreformerin Alice Salomon wuchs in einer großbürgerlichen jüdischen Familie in Berlin auf. Mit 21 Jahren engagierte sie sich bei den Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit – unter anderem auch weil ihr eine Ausbildung als Lehrerin verwehrt wurde. 1900 trat sie dem Bund Deutscher Frauenvereine bei und wurde später deren stellvertretende Vorsitzende. Im Jahr 1902 wurde sie zum Studium zugelassen, das sie als Dr. phil. abschloss. 1909 übernahm sie die Aufgabe der Schriftführerin im Internationalen Frauenrat, 1917 den Vorsitz in der Konferenz sozialer Frauenschulen Deutschlands. 1929 gründete und leitete sie die International Association of Schools of Social Work.

Obwohl Salomon 1914 zum christlichen Glauben übergetreten war, wurde sie von der Gestapo zur Emigration gezwungen. Wie Einreisedokumente auf der Ancestry-Plattform zeigen, erreichte sie New York am 28. September 1927 mit einem Schiff aus Southampton und unterzeichnete am 9. Februar 1938 die Declaration of Intention – ein Dokument, mit dem der Antragsteller seine vorherige Staatsbürgerschaft aufgibt und bestätigt, die US-Staatsbürgerschaft anzunehmen. Doktortitel und deutsche Staatsbürgerschaft wurden ihr 1939 aberkannt. Obwohl die Emigration ihre berufliche Karriere stoppte, wurde sie 1945 Ehrenpräsidentin des Internationalen Frauenbundes und der 1929 von ihr ins Leben gerufenen internationalen Vereinigung für Schulen der Sozialarbeit. Sie starb am 30. August 1948. Ihr Grab befindet sich auf dem Evergreens Cemetery in Brooklyn. Die Arbeit von Alice Salomon wurde in Deutschland ab den 1980er Jahren durch Namensverleihung an Hochschulen, Verkehrswegen, Kinder- und Hilfseinrichtungen gewürdigt.

ots

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