Frischluft gegen das Virus

Die Ausbreitung der Pandemie betrifft alle Menschen

Frischluft gegen Viren © Rosel Eckstein_pixelio.de

Dicke Luft! – Richtig Lüften in Coronazeiten.

Frischluft gegen das Virus. Auch nach einem halben Jahr beschäftigt uns die Corona-Pandemie massiv. Jeder gute und sichere Tipp ist wichtig. Viele Hinweise wie Mindestabstand, Maskenpflicht und Plexiglasscheiben werden eingehalten. Im Kampf gegen das Corona-Virus gibt es verschiedene Maßnahmen, damit sich so wenig Menschen wie möglich infizieren. Eine besondere Rolle spielt dabei die Luft. Denn wie wir alle mittlerweile wissen, wird das Virus unter anderem durch die sogenannten Aerosole – also, winzig kleine Partikel – übertragen. Und die sind gerade in Innenräumen wie Büros ein Problem.

Regelmäßiges Lüften ist deshalb extrem wichtig. Doch das sorgt gerade in den kühleren Monaten schnell für dicke Luft im Team. Wie man ein gesundes, frisches Raumklima schafft und ob zum Beispiel Klimageräte oder Luftreiniger sinnvoll sind, erfahren wir im Gespräch mit Dr. Simone Peters vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA).

Frau Dr. Peters, wenn ich in einem Raum den Sicherheitsabstand von eineinhalb Metern zu meinem Kollegen einhalte, warum sollte ich dann noch lüften?

Simone Peters: „Die Übertragung von SARS-CoV-2 erfolgt durch Tröpfchen, die zum Beispiel beim Sprechen ausgeatmet werden. Kommen die bei einer anderen Person in der Nähe wieder an, werden sie eingeatmet. Dabei bleiben extrem kleine Tröpfchen, die sogenannten Aerosole, längere Zeit in der Luft und reichern sich an. Dann verteilen sie sich großflächig im Raum und die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung steigt auch über größere Entfernungen. Durch Lüften wird die belastete Luft einfach wieder verdünnt und die Virenkonzentration sinkt.

Und welche Möglichkeiten gibt es, Räume richtig durchzulüften?

Simone Peters: „Man unterscheidet grob zwischen freier und technischer Lüftung. Bei einer technischen Lüftungs- oder Klimaanlage gilt: Ausreichend Luftzufuhr von außen sicherstellen, Umluftbetrieb vermeiden und die Anlage regelmäßig warten lassen. Bei der freien Lüftung wird am besten über weit geöffnete Fenster oder auch Türen gelüftet. Wenige Minuten Stoßlüften ist besonders gut, konkret zwischen drei und zehn Minuten je nach Jahreszeit. In Büros sollte das mindestens einmal stündlich erfolgen, in Besprechungsräumen, wo mehrere Personen sind, mindestens alle 20 Minuten.

Wie sieht es mit Luftreinigungsgeräten aus: Sind die eine gute Alternative?

Simone Peters: „Luftreiniger verwenden entweder Filter oder sie behandeln die erfasste Luft mit zum Beispiel UV-C-Strahlung oder Ozon, um schädigende Bestandteile zu beseitigen. Für SARS-CoV-2 braucht man allerdings spezielle Filter, sogenannte HEPA-Filter. Bei der Luftbehandlung wiederum muss man beachten, dass je nach Methode eventuell in der Luft andere Stoffe entstehen, die man auch nicht haben möchte. Das größte Problem ist aber, dass Luftreiniger Umluftgeräte sind.

Was genau ist da das Problem?

Simone Peters: „Es wird eben keine Frischluft von außen in den Raum geführt, sondern die vorhandene Luft wird vom Gerät mehr oder weniger gut gereinigt und neu im Raum verteilt. Das gleiche Problem hat man übrigens auch bei Umluftklimageräten. Direkte Frischluftzufuhr über Lüften ist immer wirkungsvoller als Luftreinigung. Daher sollten Luftreiniger nur ergänzend zur Lüftung eingesetzt werden. Und es ist wichtig, bei der Anschaffung auf eine gute Qualität zu achten. Im Moment sind Modelle auf dem Markt, die viel versprechen, aber nicht so viel halten.“

Dann ist ein Ventilator ja auch keine gute Idee, oder?

Simone Peters: „Solange Sie ein Einzelbüro haben, ist der Ventilator unkritisch. Sitzen Sie aber mit mehreren in einem Raum zusammen, funktioniert der Ventilator – oder im Winter auch der Heizlüfter – im Zweifelsfall wie eine kleine Virenschleuder, denn auch diese Geräte sorgen ja nur dafür, dass sich die vorhandene Luft im Raum gut verteilt – auch über größere Entfernungen.“

Zusammenfassend: Welchen Tipp können Sie uns geben, damit wir gesund durch diese Zeit kommen?

Dr. Simone Peters: „In Epidemiezeiten gilt: Viel Frischluft hilft viel und trotz allem die AHA-Regeln nicht vergessen! Also: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. In den App-Stores finden Sie übrigens die CO2-App des Instituts für Arbeitsschutz und der Unfallkasse Hessen. Die ist auch kostenlos und errechnet für jeden Raum und jede Raumbelegung die richtigen Lüftungsintervalle und erinnert auch akustisch ans Lüften.“

ots

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