100 Jahre Salzburger Festspiele

Salzburg feiert ein besonderes Jubiläum

Großes Welttheater, Salzburger Festspiele
Großes Welttheater © Salzburg Museum Luigi Caputo

Vorhang auf! Salzburg feiert 100 Jahre Europäische Kulturgeschichte.

100 Jahre Salzburger Festspiele. Als Highlight des Jahres wird ab 26. Juli 2020 im Salzburg Museum ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: Mit einer Landesausstellung blicken wir auf 100 Jahre Salzburger Festspiele zurück. Die erste Aufführung von Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ am 22. August 1920 auf dem Domplatz gilt als Gründungsdatum der Salzburger Festspiele. Unter dem Titel „Großes Welttheater“ ermöglicht die Landesausstellung im Salzburg Museum nun Einblicke in die Geschichte der Festspiele und ihre Entwicklung bis in die Gegenwart. Gemeinsam mit den Salzburger Festspielen wird von der Geschichte des weltweit bedeutenden Festivals für klassische Musik und darstellende Kunst erzählt.

Die Ausstellung lässt das Museum zur Bühne werden, auf der die Geschichte der Salzburger Festspiele lebendig wird.

Von den Gründervätern bereits als Weltkunstzentrale auf österreichischen Boden geradezu tollkühn in Kriegszeiten ersonnen, sind die Festspiele in den 100 Jahren tatsächlich zum größten und wirkungsmächtigsten Klassikfestival der Welt gewachsen. 100 Jahre Festspielgeschichte sind auch 100 Jahre Europäische Kulturgeschichte, für die wir mit dieser Ausstellung begeistern wollen“, sagt Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler.

Die Anfänge der Salzburger Festspiele

Als Gründungsväter der Salzburger Festspiele gelten Hugo von Hofmannsthal, Richard Strauss, Max Reinhardt, Alfred Roller und Franz Schalk. Als Gründungdatum die erste „Jedermann“-Aufführung auf dem Domplatz am 22. August 1920. Als Gründungsvision die im Angesicht des Ersten Weltkriegs von Reinhardt und Hofmannsthal formulierten Gedanken für ein europäisches Friedensprojekt im Zeichen der Kunst.

Dennoch war der Weg zur Festspielstadt Salzburg schon viel früher vorgezeichnet. Die ehemalige Residenzstadt der Salzburger Fürsterzbischöfe war in Verbindung mit Wolfgang Amadeus Mozart bereits seit dem 19. Jahrhundert im Zentrum verschiedener Festspielideen gestanden. Ab 1877 wurden Musikfeste veranstaltet. Und schon damals gab es Pläne nach dem Beispiel des Richard- Wagner-Festspielhauses und den Bayreuther Festspielen ein Mozartfestspielhaus auf dem Mönchsberg zu errichten. Spätere Bemühungen für Festspiele wurden u.a. vom Dichter Hermann Bahr unterstützt.

 „Jedermann“-Aufführung von 1920 erste Verwirklichung

Die Salzburger Festspiele wären ohne den Regisseur und Theatermacher Max Reinhardt nicht denkbar. Ihm gelang es, die besonderen Schauplätze der Stadt – neben dem Domplatz vor allem die Felsenreitschule – zu theatralischem Leben zu erwecken. Er inszenierte zwischen 1920 und 1937 den „Jedermann“ und entwarf mit Hugo von Hofmannsthal die bis heute verbindliche Programmatik der Festspiele. Darüber hinaus war Max Reinhardt durch den Erwerb von Schloss Leopoldskron 1918 auch persönlich eng mit Salzburg verbunden. Zwei Jahrzehnte war ihm das Schloss der schönste Lebensort, an dem er Theaterpläne schmiedete und Gäste aus Kultur, Wirtschaft und Politik begrüßte, es wurde gewissermaßen zu seiner schönsten Inszenierung.

Die Machtergreifung Adolf Hitlers im Deutschen Reich 1933 und der „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 bedeuteten für Reinhardt den Verlust der künstlerischen Heimat und seines Eigentums. Er emigrierte in die USA, wo er 1943 verstarb und in New York beigesetzt wurde.

Das Jüdische Museum Wien setzt das Schicksal Max Reinhardts – stellvertretend für die Biografien vieler jüdischer Künstlerinnen und Künstler der Salzburger Festspiele – anhand ausgewählter Objekte behutsam in Szene. Zu sehen sind eine Kulisse mit Blick von Schloss Leopoldskron auf den Untersberg, diverse Gegenstände aus dem Besitz von Max Reinhardt, Plakate und historische Fotografien, eine Nachbildung des Glasfensters von Reinhardts Grabstätte in New York sowie eine Fotoserie von Andrew Phelps.

Drei Säulen – Oper, Schauspiel und Konzert

Die Salzburger Festspiele starteten 1920 mit vier offiziellen Aufführungen und zwei Sondervorstellungen des „Jedermann“ auf dem Domplatz vor rund 14.000 Gästen. Das Programm umfasst seit 1922 Angebote in den Sparten Oper, Schauspiel und Konzert. Diese bilden die drei Säulen der Salzburger Festspiele und machen bis heute ihren besonderen Charakter aus. Dass sich die Salzburger Festspiele seit Anbeginn weder auf ein Genre noch einen Komponisten beschränkten, unterschied sie auch von den frühen und für ihr Zustandekommen bedeutenden Richard-Wagner- Festspielen in Bayreuth (seit 1876).

Im Laufe ihrer Geschichte sind die Salzburger Festspiele selbst Vorbild bzw. Bezugspunkt für eine Vielzahl an neugegründeten nationalen und internationalen Festivals geworden. Ihre Zahl ist heute kaum mehr fassbar. Alleine in Europa gibt es rund 90 Festivals der klassischen Musik, die jeweils mehr als 20.000 Gäste pro Saison erreichen.

Klang-Körper

Die Wiener Philharmoniker und die Salzburger Festspiele sind untrennbar miteinander verbunden. Sie teilen eine gemeinsame Geschichte. Zusammen schrieben sie bedeutende Kapitel der Musikgeschichte. Die Zusammengehörigkeit ist für beide Seiten identitätsstiftend. Gerne wird die Stadt Salzburg auch als „zweite Heimat“ des Orchesters bezeichnet.

Hier traten die Wiener Philharmoniker 1877 erstmals außerhalb von Wien auf. Bis 1910 schenkten sie den Salzburger Musikfesten ihren Glanz. Ab 1920 unterstützten sie die Festspielhaus-Gemeinde mit Benefizkonzerten. Zwei Jahre später führten sie die erste Oper der Salzburger Festspiele auf. Seit 1925 ist die sommerliche Residenz in Salzburg ein Fixpunkt im Jahreskalender des Orchesters.

Die Wiener Philharmoniker haben in der 100-jährigen Geschichte der Salzburger Festspiele knapp 2.200 Opernvorstellungen und rund 800 Konzerte gegeben. Sie prägten das musikalische Niveau, für das die Festspiele weltweit berühmt sind.

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