Für wie viel Leben reicht das Geld?

Professionelle Altersvorsorge © iStock

Wie wappnen sich Frauen gegen Altersarmut?

Im zunehmenden Alter denken Männer und Frauen an ihre Altersversorgung im Ruhestand.

Bei Frauen ist die Gefahr von Altersarmut besonders hoch. Hierzulande verdienen Frauen laut dem Statistischen Bundesamt in Durchschnitt knapp 20 Prozent weniger als ihre männlichen Geschlechtsgenossen, der so genannte Gender Gap. Die Gründe dafür liegen unter anderem in der nachwuchsbedingten Auszeit der Frauen. So arbeiten 70 Prozent der Mütter in Teilzeit, doch nur sechs Prozent der Väter. Dadurch sinken die Lebensarbeitszeit sowie die Karrierechancen.

„Entsprechend bekommen Frauen ein Viertel weniger aus der gesetzlichen Rente als Männer“, erklärt CFP®-Professional Alexandra Huhle, Geschäftsführerin der Müller & Veith Investment GmbH aus Wiehl.

„Und wenn Sie jetzt noch berücksichtigen, dass Frauen eine höhere Lebenserwartung haben und häufiger von der eigenen Pflege und der Pflege des Ehemanns betroffen sind, dann kann es kaum überraschen, dass 20 Prozent von ihnen hierzulande armutsgefährdet sind“, ergänzt Simone Deike, Finanzplanerin (CFP®) von MLP aus Bremen.

Im Rahmen eines vom FPSB veranstalteten Presse-Roundtables erläuterten ausgewiesene Finanzplanerinnen, was Frauen für eine bessere Absicherung und gegen das höhere Armutsrisiko im Alter tun können. „Wichtig ist dabei“, betont Huhle, „dass die Rentenlücke bei Frauen zwar größer ist, dass es aber keineswegs unmöglich ist, diese zu schließen.“

Finanzplanung ist Lebensplanung

Besonders effektiv ist eine professionelle Finanzplanung.

„Sie ist der Schlüssel zu finanzieller Unabhängigkeit“, macht CFP®- und CFEP®-Professional Iris Hoschützky vom Family Office der Frankfurter Bankgesellschaft AG klar. „Entscheidend ist, dass Finanzplaner nicht einen Bereich, also nur das Depot oder nur Versicherungen, berücksichtigen, sondern eine ganzheitliche Sichtweise über alle Themen wie Vermögensaufbau, Absicherung, Ruhestandsplanung oder Vermögensübertragung einnehmen. Hinzu kommt eine individuelle Betreuung, die auf die spezielle Situation des einzelnen abzielt. Denn Finanzplanung ist Lebensplanung.“

Wichtig ist es dabei, darin sind sich die Expertinnen einig, sich so früh wie möglich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen. „Ab dem Alter von etwa 20 Jahren entfällt das Privileg der Familienmitversicherung“, erklärt Deike. Deshalb müssen Frauen ab diesem Zeitpunkt selbst für die Absicherung der eigenen Person sorgen, zum Beispiel durch den Abschluss einer Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherung. Auch empfiehlt sie, schon in dieser Lebensphase damit zu beginnen, Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen, den Vermögensstatus zu analysieren und eine Liquiditätsreserve anzulegen.

Zudem sollten Frauen schon in dieser frühen Lebensphase an den privaten Vermögensaufbau denken. „Bei der Geldanlage ist die Zeit Ihre Freundin. Wenn Sie im Alter von 20 Jahren mit dem Investieren beginnen, haben Sie im Idealfall 47 Jahre bis zum Ruhestand“, so Deike. Ein einfacher Weg ist ein Sparplan auf einen Exchange Traded Fund (ETF), der die Entwicklung eines Aktienindex abbildet. „Wenn Sie nur 25 Euro pro Monat investieren, dann ergibt sich über diesen Zeitraum bei einer angenommenen jährlichen Rendite von fünf Prozent am Ende die Summe von 55.000 Euro. Abzüglich der eingezahlten Beträge ist das ein Ertrag von knapp 41.000 Euro“, rechnet Deike vor. „So erzielen Frauen schon mit geringem Aufwand eine große Wirkung.“

Entscheidend: Immer Hoheit über das eigene Geld und die Altersvorsorge im Blick

In den folgenden Lebensphasen, in die der Start der Karriere fällt, aber womöglich auch die Familiengründung oder der Erwerb einer Immobilie, sollten der Vermögensstatus sowie die Einnahmen und Ausgaben aktualisiert und die Absicherung überprüft und wenn nötig ausgeweitet werden. „Dabei ist es wichtig, dass Frauen stets die Hoheit über ihr Geld behalten und weiter an ihre Altersvorsorge denken“, so Huhle. „Gehaltserhöhungen sollten dazu genutzt werden, mehr zu investieren.“ Wer seine Sparrate in dem oben genannten Beispiel im Alter von 45 Jahren von 25 auf 200 Euro bis zum Renteneintritt erhöht, der kommt am Ende unter sonst gleichen Bedingungen auf einen Ertrag von rund 77.600 Euro und eine Endsumme von fast 138.000 Euro.

Geht es schließlich auf das Rentenalter zu, raten die Expertinnen, nochmals zu überprüfen, wie viel Geld während des Ruhestands aus der gesetzlichen, der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge monatlich zur Verfügung steht. „Als Faustformel lässt sich sagen, dass 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens im Alter für einen finanziell sorgenfreien Ruhestand sorgen“, fasst Huhle zusammen. Reicht das Gesparte dafür nicht, kann auch in dieser späteren Lebensphase die monatliche Sparrate nochmals angepasst werden. Hilfreich kann hierbei die Unterstützung durch einen professionelle Beratung sein. „Das ist sehr wichtig, damit sich am Ende nicht die Frage stellt, für wie viel Leben das Geld reicht“, so Deikes Fazit.

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