Nervenzellen werden nicht nachgebildet nach einem Schlaganfall

Foto: Rike / pixelio.de

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Forscher erbringen Beweis durch radiokarbonbasierte Altersdatierung.

Die Hirnrinde kann nach einem Schlaganfall keine neuen Nervenzellen bilden und damit Folgeschäden abmildern. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg http://fau.de . Mit Hilfe der Radiokarbonmethode konnten sie in Kooperation mit einem schwedischen Team das Alter der Nervenzellen bestimmen. Sie stellten fest, dass die Zellen genau so alt waren wie der Patient selbst, also nicht in jüngerer Zeit neu gebildet worden waren.

Zellen bleiben gleich alt

„Der Schlaganfall stellt eine der häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt dar, und nicht wenige der überlebenden Patienten sind im Alltag behindert oder pflegebedürftig“, unterstreicht der Erlanger Hirnforscher Hagen Huttner, Mitarbeiter der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum der FAU. Die Experten widerlegen mit ihren in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience veröffentlichten Ergebnissen bisherige Annahmen, dass die Hirnrinde – auch Kortex genannt – nach einem Schlaganfall selbst neue Nervenzellen bilden kann.

Die Wissenschaftler machten sich für ihre Untersuchungen einen Nebeneffekt der mehr als 500 oberirdischen Atombombentests zu Zeiten des Kalten Krieges zunutze, bei denen ein radioaktives Kohlenstoff-Isotop vermehrt in der Atmosphäre freigesetzt und in die Erbsubstanz von Nervenzellen eingebaut wurde. „Die Radiokarbonmethode wird beispielsweise in der Archäologie zur Altersdatierung von Fundstücken regelmäßig eingesetzt“, erläutert Huttner.

DNA-Isolierung als Schlüssel

Dem Forscher nach war Jahrtausende lang das Verhältnis von normalem und radioaktivem Kohlenstoff relativ konstant, so dass die Genauigkeit der Altersdatierung zu wünschen übrig ließ. Durch die Atombombentests wurde das Kohlenstoffverhältnis drastisch verändert und gleicht sich – nach den Atomwaffensperrverträgen – über Jahrzehnte hinweg nun langsam wieder dem alten Niveau an. „Dadurch ist die zeitliche Auflösung der Radiokarbonmethode sehr genau geworden, und wir konnten sie für unsere präzisen wissenschaftlichen Untersuchungen zur etwaigen Neubildung von Nervenzellen nach einem Schlaganfall anwenden.“

Die radiokarbonbasierten Altersdatierung nutzt den Umstand, dass der radioaktive Kohlenstoff über Pflanzen und Tiere in die Nahrungskette und folglich in den Menschen gelangte – und in der Folge auch bei jeder Neubildung von Zellen in deren Erbgut, und zwar in genau jenem Verhältnis zum normalen Kohlenstoff, wie es dem atmosphärischen Wert im Jahr der Geburt der Zelle entsprach. Wird die DNA aus Nervenzellen isoliert, die sich nach ihrer Entstehung nicht weiter teilen, und untersucht man das Kohlenstoff-Verhältnis, so lässt sich das Alter exakt datieren.

 

pte

 

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